Passt der Maulkorb?

Hundetraining

Wie finde ich den passenden Maulkorb für meinen Hund?

Wie du vielleicht mitbekommen hast, betreue ich den Hund Coffee bei den Unvermittelbaren mit Martin Rütter. Coffee ist ein Hund, der in bestimmten Situationen sehr gefährlich werden kann und bei dem es sehr wichtig ist, dass er in diesen Situationen einen Maulkorb trägt, um Menschen nicht ernsthaft zu verletzen. Nun kam die Frage auf, ob der Maulkorb, den er bereits im Tierheim getragen hat, überhaupt richtig passt. Ich hatte den Maulkorb angeschaut und war der Meinung, dass er passt. Insbesondere wenn ein Hund den Maulkorb über eine längere Zeit tragen muss, kommt es häufig zu Veränderungen im Fell und es können sogar Druckstellen entstehen. Das kennen wir ja bei uns Menschen auch von schlecht passenden Schuhen. Dies ist bei Coffees Maulkorb nicht der Fall, er hat keine Druckstellen. Außerdem habe ich darauf geachtet, dass er mit dem Maulkorb trinken kann und insbesondere auch hecheln. Dazu muss der Maulkorb so groß sein, dass der Hund das Maul weit öffnen kann. Das Hecheln dient dabei ebenfalls der Thermoregulation, denn Hunde können nicht schwitzen wie wir Menschen und gleichen ihre Körperinnentemperatur über das Hecheln aus. Auch das war für Coffee möglich. Für meinen eigenen Hund habe ich damals einen Maulkorb maßanfertigen lassen, auch weil seine Nase etwas kürzer, als die eines Labradors war und je nach Rasse die Standardgrößen einfach nicht gut passen.

Nun gab es aber viele Kommentare zur Sendung, unter anderem auch zum Thema Maulkorb. Ein paar Stimmen waren dabei der Meinung, dass der Maulkorb nicht passt.

Also habe ich mich auf die Suche nach Literatur oder wissenschaftlichen Studien gemacht, um genaue Informationen zu finden, die Kriterien aufstellen, anhand derer man die Passform des Maulkorbs beurteilen kann. Leider wurde ich zuerst überhaupt nicht fündig. Es gibt zahlreiche Meinungen, aber wenig wissenschaftliche und sachliche Literatur. Doch dann fand ich eine spannende Studie aus Österreich aus dem Jahr 2020. Diese Studie beinhaltet eine Auswertung vieler Fragebögen zum Thema Maulkorb. Im Fokus liegen die richtige Passform, das Training bzw. die Gewöhnung an den Maulkorb und mögliche negative Folgen, die durch das Tragen eines Maulkorbs für den Hund entstehen können.

Hier findest du die Studie: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1558787820301027?via%3Dihub

Folgende wichtige Aspekte habe ich aus der Studie für mich mitgenommen, manches war schon bekannt, bestärkt mich aber noch einmal in meinem beruflichen Alltag:

  • Jeder Hund sollte daran gewöhnt werden, einen Maulkorb zu tragen, denn es gibt Situationen, in der ein Maulkorb gefordert ist (z.B. beim Bahnfahren) oder für Sicherheit sorgen kann (beim Tierarzt)
  • Hunde sollten in kleinen Schritten und mit einem positivem Training von klein auf an das Tragen des Maulkorbs gewöhnt werden
  • Beim Tragen des Maulkorbs stehen sich das Wohlbefinden des Hundes, sowie die Sicherheit des Menschen gegenüber und müssen abgewogen werden
  • Ein kurzes Tragen des Maulkorbs ist für einen Hund weniger belastend, als ein dauerhaftes Tragen des Maulkorbs
  • Der Hund ist durch das Tragen des Maulkorbs in seinen olfaktorischen (also den Geruchssinn und die Nase und das Maul betreffenden) Verhaltensweisen eingeschränkt: Kein Ablecken fremder Objekte, kein Berühren von Gegenständen mit dem Maul,…
  • Die meisten Maulkörbe, die von Besitzern verwendet werden, passen nicht richtig. Der Abstand zur Nase ist dabei meistens groß genug, allerdings kann der Hund bei den meisten Maulkörben, die verwendet werden, das Maul nicht vollständig öffnen (siehe Abbildungen)
  • Solange der Hund nicht stark hecheln muss, ist ein solcher Maulkorb für eine kurze Zeit akzeptabel, sobald der Hund aber stark hecheln muss, z.B. durch körperliche Anstrengung, behindert der am häufigsten gewählte Maulkorb das Hecheln sehr stark, da das Maul nicht weit genug geöffnet werden kann (siehe Abbildungen)
  • Betrachtet man den Sicherheitsaspekt eines Maulkorbs, ist ein Maulkorb mit Metallgitter am sichersten. Gemeint ist, dass der Hund niemanden verletzen kann. Hierbei ist jedoch wichtig, dass ein Stoßen mit der Nase, trotz des Tragens eines Metallmaulkorbs, zu Verletzungen des Gegenübers führen kann. Es ist nämlich sehr schmerzhaft, einen Metallgegenstand in den Bauch gedrückt zu bekommen. Trotzdem kann der Hund keine Beißverletzungen verursachen
  • Maulkörbe aus Plastik oder Biothane sind im Vergleich nicht so sicher. Daher ist es wichtig, einzuschätzen, wie gefährlich der Hund tatsächlich ist.
  • Ein Maulkorb aus Metall wirkt auf uns Menschen oft bedrohlicher. Im Training ist also auch daran zu denken, wie die Besitzer auf den Maulkorb reagieren und wie offen sie für einen Maulkorb bei ihrem Hund sind. Dieser Aspekt kann für einen Maulkorb aus Plastik oder Biothane sprechen
  • Weitere Maßnahmen, wie eine Sicherungsleine oder das Training einer Box können unterstützend wirken und das Tragen eines Nicht-Metallmaulkorbs ermöglichen

Hast du Fragen zum Thema oder Anregungen? Ich freue mich auf deine Nachricht!

Tierärztin, Autorin und deine Hundeexpertin: Valérie Pöter

Über mich

Valérie Pöter hat 2017 ihr Staatsexamen als Tierärztin abgelegt und ist seit 2018 als Hundetrainerin tätig.

In ihrer Hundeschule in Oldenburg legt sie großen Wert auf Spaß und Motivation im Training und auf die verständliche Erklärung komplexer Zusammenhänge.

Diese Fähigkeiten brachten sie zusammen mit ihrer Leidenschaft fürs Zeichnen dazu, Fachwissen rund um den Hund auf ihrem Blog strukturiert und kreativ zu vermitteln – die Idee zu den FAQ Hund war geboren!

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