Was mache ich, wenn ein drohender Hund auf mich, meinen Hund und meine Kinder zukommt?

Hundetraining

Es ist Oktober, die Sonne schein, aber es ist schon ziemlich kalt. Ich bin mit meinem Hund in der Natur unterwegs, im Wald und auf Feldwegen. Wir laufen auf das nächstgelegene Dorf zu und kommen an den ersten Bauernhöfen vorbei. Mein Hund läuft an der Schleppleine, wenige Meter voraus. Plötzlich hören wir lautes Bellen aus einer Hofeinfahrt heraus. Ein dunkler Mischling steht plötzlich vor uns, ohne Leine und kein Mensch in Sicht. Der Hund bleibt zunächst stehen und zeigt uns deutlich, dass wir hier nicht erwünscht sind. Dann kommt er langsam näher.

Vielleicht kennst du dieses mulmige Gefühl, wenn du auf dem Spaziergang anderen Hunden und ihren Menschen begegnest und dir nicht so sicher bist, ob diese Begegnung gut für dich und deinen Hund aus geht. Besonders problematisch ist es aus meiner Sicht, wenn der Mensch des anderen Mensch-Hund-Teams nicht bereit ist, Rücksicht zu nehmen und  seinen Hund an die Leine zu nehmen.

Konflikte zwischen Hundemenschen finden immer wieder statt. Während mir die einen von gegenseitigen Beschimpfungen berichten (die ich hier besser nicht wortwörtlich wiedergebe), trauen sich andere mit ihrem Hund nicht mehr in Gegenden, wo ihnen andere Mensch-Hund-Teams entgegen kommen könnten.

Seit der Coronakrise kommt es mir zunehmend so vor, als hätte sich der Umgangston untereinander noch weiter verschlechtert.

So saß ich vor kurzem in einem Restaurant und beobachtete folgende Situation:

Das Restaurant war sehr groß und es bot viel Abstand zwischen den einzelnen Tischen. Ein Ehepaar mit zwei weißen Herdenschutzhunden (ich denke es waren Kuvasz) setzte sich an den Nebentisch. Während sich die Hündin unter den Tisch legte, zeigte der Rüde starkes Hecheln und behielt den Laden und die umgebenden Menschen im Blick. Beide Hunde zeigten ein Stressgesicht. Nach kurzer Zeit betrat eine Frau das Restaurant, sie führte ihren Labradoodle an lockerer Leine. Noch bevor sie sich im Raum orientiert und einen Tisch ausgesucht hatte, rief der Mann des Ehepaares: „Ähm hallo?! Hier ist ein Hund!“ Die Frau schaute ihn verdutzt an. „Aha“ entgegnete sie und suchte sich einen Tisch, der möglichst weit entfernt war. Der Labradoodle sah wenig gestresst aus und lag die ganze Zeit entspannt neben ihr auf einer Decke.

Mir geht es hierbei nicht darum irgendwelche Hunderassen zu kritisieren, es könnten auch andere Hunderassen oder Mischlinge sein. Stattdessen würde ich mir unter Hundemenschen einen wesentlich netteren Umgangston wünschen und einen fachlicheren Blick darauf, ob und wann es Hunden in bestimmten Situationen noch gut geht, oder ob es überhaupt sinnvoll ist, dass sie uns an bestimmte Orte begleiten.

Nicht nur Menschen mit Hund kommen aus meiner Sicht in solche Situationen, auch Eltern mit Kindern treffen immer wieder auf freilaufende Hunde. Vielen Kindern machen Hunde, die stürmisch auf sie zu rennen, panische Angst. Viele Kinder möchten dann auf den Arm ihrer Eltern. Auch hier beobachte ich leider in vielen Situationen, dass die Hundemenschen darauf wenig Rücksicht nehmen, dabei kann ein angeleinter Hund für viel Sicherheit bei Kindern sorgen.

Leider können wir die Einstellung vieler Hundemenschen nicht ändern. Wir können aber darauf achten, einander mit Respekt zu begegnen und besonders freundlich und rücksichtsvoll miteinander umzugehen und als Vorbild für andere zu dienen. Das würde ich mir für die Zukunft sehr wünschen. Hunde und ihre Menschen sollten in unserer Gesellschaft aus meiner Sicht positiv und als eine Bereicherung wahrgenommen werden und nicht als eine Belästigung für Menschen, die sonst im Alltag nichts mit Hunden zu tun haben. Damit dies möglich wird, ist eine gute Erziehung und Sozialisierung des Hundes eine Grundvoraussetzung. Die Grundsignale Sitz, Platz, Bleib, Hier und die Leinenführigkeit, sollte aus meiner Sicht jeder erwachsene Hund beherrschen. Das braucht Zeit, Geduld und Fleiß.

Aber Valérie, was ist denn mit Hunden, die eine schwierige Vergangenheit haben und aus dem Tierschutz kommen? Meinen Beobachtungen mit Menschen, die einen solchen Hund bei sich aufgenommen haben ist, dass sie ganz besonders bemüht sind, die Hunde gut zu erziehen und das Management im Alltag so zu gestalten, dass es dem Hund gut geht und möglichst keine fremden Menschen und Hunde belästigt werden. Auch hier spielt der Umgangston miteinander eine so große Rolle. Ein freundliches „Hallo“ und gegenseitige Rücksichtnahme machen unser aller Leben so viel leichter.

Du möchtest wissen, wie du deinem Hund endlich die Grundsignale richtig beibringst und wie du es schaffst, dass er sich an dir orientiert? Oder überlegst du, dass bald ein Hund bei dir einziehen soll. Dann solltest du unbedingt einen Blick in das Buch „FAQ Hund Das Antwortenbuch“ werfen.

Gerne helfen wir dir auch bei der Begegnung mit anderen Mensch-Hund-Teams, damit du wieder ohne Angst spazieren gehen kannst. Hierfür eignet sich am besten ein individuelles Einzeltraining mit uns.

Tierärztin, Autorin und deine Hundeexpertin: Valérie Pöter

Über mich

Valérie Pöter hat 2017 ihr Staatsexamen als Tierärztin abgelegt und ist seit 2018 als Hundetrainerin tätig.

In ihrer Hundeschule in Oldenburg legt sie großen Wert auf Spaß und Motivation im Training und auf die verständliche Erklärung komplexer Zusammenhänge.

Diese Fähigkeiten brachten sie zusammen mit ihrer Leidenschaft fürs Zeichnen dazu, Fachwissen rund um den Hund auf ihrem Blog strukturiert und kreativ zu vermitteln – die Idee zu den FAQ Hund war geboren!

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