Not-To-Do-Liste Silvesterangst Hund

Hundetraining

Noch sind wir alle mit den Vorbereitungen für die kommenden Feiertage beschäftigt, doch mit Weihnachten rückt auch Silvester immer näher, ein Albtraum für viele Heim- und Haustiere. Doch noch beschäftigen sich die meisten Hundebesitzer noch nicht mit dem Thema Feuerwerk.

Hier mal eine kleine Geschichte dir mir selbst passiert ist:

„Dieses Jahr ist ja nicht viel los mit Böllern“, denke ich noch. Wir sind auf unserem Spaziergang am weitesten von zu Hause entfernt. Es ist Neujahr, nachmittags, 15 Uhr. Oskar ist ganz entspannt, er schnüffelt und läuft ein Stück den Weg entlang voraus.

Plötzlich hört man lautes Lachen und ich erkenne einen Bollerwagen und eine kleine Gruppe von Menschen in näherer Entfernung, sie kommen auf uns zu. Die ganze Luft wird nebelig und ich frage mich, ob irgendwo ein Feuer ausgebrochen ist. Plötzlich geht ein Silvesterknaller mit lautem Knall in die Luft, ich erschrecke mich fast zu Tode und in letzter Sekunde greife ich nach der Schleppleine.

Oskar stürzt gleichzeitig wie von der Tarantel gestochen in die entgegengesetzte Richtung. Weg wäre er gewesen, wenn ich das Ende der Schleppleine verfehlt hätte. Nun nehmen wir in zu Zweit und halten die Leine mit beiden Händen fest. Die 50kg, die sich nun in die Leine stemmen, können wir zu Zweit kaum halten. Der Weg nach Hause ist noch lang, wir kommen nur im Schneckentempo voran. Oskar hechelt stark, er ist extrem gestresst und in völliger Panik.

Auch nach zehn Minuten hat er sich noch nicht beruhigt, so habe ich ihn noch nicht erlebt. Wir wickeln seine Leine zusätzlich zum Geschirr um seine Brust und können ihn geradeso halten. Endlich kann man unser Haus sehen, nur noch ein paar Meter. Was für ein Schreck und was für ein schrecklicher Spaziergang. In der Wohnung beruhigt er sich allmählich, erschöpft lässt er sich auf seine Decke fallen und ich mich auf’s Sofa. Meine Arme schmerzen, ich habe Druckstellen an den Händen.

Ich darf mir gar nicht ausmalen, was alles hätte passieren können. Zum Glück ist er nicht auf die Straße gelaufen. Nach einer Stunde ist Oskar wieder fit, in der Wohnung ist ihm nichts mehr anzumerken. Langsam tasten wir uns in den Garten, skeptisch schaut er zum Himmel, die starke Anspannung ist verflogen, aber ich merke ihm an, dass er noch skeptisch ist.

Bei der letzten Runde abends im Garten ist ihm zum Glück von diesem Schreck nichts mehr anzumerken. Auch die nächsten Tage sind entspannt, obwohl in der Ferne immer mal wieder Silvesterböller zu hören sind.

Seit diesem Erlebnis gehe ich an Neujahr nicht mehr spazieren. So eine Situation möchte ich nicht noch einmal erleben.

Daher ist mir folgender Rat ganz wichtig:

Passt in den nächsten Tagen gut auf, nicht nur am 31.12., sondern auch in den Tagen vor und nach Silvester, ein einziger Knall reicht aus, um deinen Hund in Panik zu versetzen.

Es gibt viele Artikel im Netz bezüglich Notfalltipps und Ratschläge für Hundebesitzer. Um dich nicht mit denselben Tipps wie immer zu langweilen, habe ich die Tipp heute mal ins Gegenteil umgedreht. So liest es sich anders und rüttelt vielleicht den einen oder anderes wach.

Meine Not-To-Do-Liste für Silvester mit Hund:

  1. Fange erst an Silvester an, dir Gedanken über ein Training und Management-Maßnahmen zu machen.

Tipp: Training von Angstverhalten dauert lange. Nimm dir früh genügend Zeit für das Training und suche dir rechtzeitig fachliche Unterstützung. Nach Silvester ist vor Silvester. Der beste Start für das Training von Geräuschangst ist bereits im Januar.

  1. Lass deinen Hund frei laufen, Leine ihn nicht an.

Tipp: Ich finde die Nachrichten von Hunden, die weggelaufen sind und nun von ihren Besitzern mit freiwilligen Helfern und der Polizei gesucht werden ganz schrecklich und ich kenne Fälle aus dem Kundenkreis, wo Hunde bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen sind. Daher passt wirklich auf, leint eure Hunde vorsichtshalber immer an, haltet die Leine gut fest und geht kein unnötiges Risiko ein.

  1. Nimm deinen Hund zur Silvesterparty mit und halte ihn während der Knallerei auf dem Arm. Suche hierbei einen Ort auf, an dem sich möglichst viele Menschen aufhalten.

Tipp: Hunde haben aus meiner Sicht auf einer Silvesterparty nichts verloren. Viel zu oft wird ein Hund, der bisher keine Geräuschangst gezeigt hat, durch ein Trauma zu einem Hund mit Geräuschangst. Passt insbesondere auch auf junge Hunde und Welpen auf, diese sollten mit lauten Knallern an Silvester möglichst wenig Kontakt haben. Ein Training sollte Wochen und Monate vor Silvester stattfinden und Knallgeräusche nur langsam im Training gesteigert werden. Wichtigster Tipp also für die Geräuschangst: Lass sie bei deinem Hund erst gar nicht entstehen!

  1. Zeigt dein Hund ängstliches Verhalten gehe nicht darauf ein und verhindere, dass er sich verkriecht, ein Rückzugsort ist nicht nötig.

Tipp: Laut neuster Erkenntnisse kann man eine Angst durch Streicheln und gut zureden nicht verschlimmern. ABER: Wer das Streicheln im Alltag als Bestätigung und Lob für den Hund verwendet, teilt einem Hund der gerade zittert und ängstliches Veralten zeigt unbewusst mit, dass dieses Verhalten gut ist und weiter gezeigt werden soll. Daher ist mein Rat: Biete deinem Hund Rückzugsmöglichkeiten, er darf bei dir Schutz suchen. Aber achte darauf, deinen Hund nicht zu bemitleiden und in zu sehr in seiner Angst zu bestätigen.

  1. Besorge dir vom Tierarzt Medikamente, die deinen Hund ruhig stellen, ohne angstlösend zu wirken oder schau, was du Zuhause noch im Schrank hast, dann kannst du in Ruhe feiern.

Tipp: Manche Hunde reagieren so stark auf die Silvesterknaller, dass eine medikamentelle Behandlung unterstützend zum Verhaltenstraining sinnvoll sein kann. Beim Wirkstoff muss unbedingt darauf geachtet werden, dass dieser nicht nur beruhigend, sondern auch angstlösend wirkt. Dies sollte unbedingt mit dem TA oder der TÄ im Voraus besprochen werden. Meiner Erfahrung nach kann aber vor allem die Verhaltenstherapie und spezielles Hundetraining, das langfristig aufgebaut wird, dem Hund viel Stress nehmen. Auf keinen Fall solltest du Medikamente verwenden, die du selbst für dich verwendest. Hunde reagieren ganz anders auf Medikamente als wir Menschen, da sie diese anders verstoffwecheln als wir. Jedes Jahr entsteht eine große Diskussion zum Thema Eierlikör und ob man es bei Hunden anwenden darf und ob das hilft. Meiner Meinung nach hat recht, wer heilt und dass die Dosis das Gift macht. Demnach sollte ein Hund keine großen Mengen Alkohol zu sich nehmen. Sprich das am besten mal mit deinem TA deines Vertrauens ab.

  1. Schalte Musik ein um die Knallerei zu übertönen, nutze dabei Heavy Metal oder Hard Rock Musik.

Tipp: Ja, ruhige Musik oder auch ein Podcast mit einer Meditation hat kann beruhigend auf Mensch und Hund wirken. Ich empfehle dir alle Rolläden runter zu machen und so die Räume abzudunkeln und dass du es dir mit deinem Hund gemütlich machst. Hunde haben ein viel empfindlicheres Gehör als wir, daher ist laute Musik ungeeignet.

  1. Beschäftigung und körperliche Auslastung ist nicht nötig, dein Hund hat an Weihnachten genügend Abwechslung gehabt.

Tipp: Wie immer im Training, ist die körperliche und geistige Auslastung deines Hundes auch für Silvester sehr wichtig. Bewegung baut nachweislich Cortisol, also Stresshormone ab.

Mein Fazit:

Jetzt mal im Ernst, ich denke, den meisten Hundebesitzern sind diese Dinge klar. Leider gibt es viele Menschen ohne Haustiere, die sich nicht bewusst sind, was für ein Stress Silvester für viele Haustiere ist. Ich würde mir wünschen, dass es Rückzugsorte für Menschen und Hunde mit Geräuschangst gibt und dass die Knallerei auf Mitternacht reduziert wird. Für viele Hundebesitzer sind die Tage vor und nach Silvester ebenso belastend, da immer wieder mit Knallern gerechnet werden muss.

In vielen Fällen können wir die Lebensqualität deines Hundes durch ein gezieltes und langfristiges Training deutlich verbessern. Mein Hund und ich haben Silvester verschlafen…

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Tierärztin, Autorin und deine Hundeexpertin: Valérie Pöter

Über mich

Valérie Pöter hat 2017 ihr Staatsexamen als Tierärztin abgelegt und ist seit 2018 als Hundetrainerin tätig.

In ihrer Hundeschule in Oldenburg legt sie großen Wert auf Spaß und Motivation im Training und auf die verständliche Erklärung komplexer Zusammenhänge.

Diese Fähigkeiten brachten sie zusammen mit ihrer Leidenschaft fürs Zeichnen dazu, Fachwissen rund um den Hund auf ihrem Blog strukturiert und kreativ zu vermitteln – die Idee zu den FAQ Hund war geboren!

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