Das Krankheitsbild des Morbus Addison

Gesundheit

Seit dem letzten Freitag bin ich in der Podcastfolge von der „Hundestunde“ von Conny und Marc zu hören und wir sprechen darüber, ob es Erkrankungen gibt, die für das Training mit Hunden wichtig sind. Bei Junghunden sehen wir am häufigsten das Problem, dass sie unruhig sind und geradezu hyperaktiv erscheinen und es oft schwierig ist zu unterscheiden, ob dieses Verhalten eine Krankheit als Ursache hat, oder nicht.

Conny hat mich gefragt, ob ich Erkrankungen nennen kann, die man auf jeden Fall im Hinterkopf haben sollte und ich konnte von einem Kundenfall berichten, der gerade aktuell ist. Bei dieser Hündin wurde nun festgestellt, dass sie höchstwahrscheinlich an einem Morbus Addison erkrankt ist.

Marc fragte mich, was sich hinter diesem Krankheitsbild genau verbirgt und ich versprach, noch einmal eine genaue Recherche zu betreiben und einen Donnerstagtrainingstipp zu verfassen.

Ziel diese Artikels ist nicht, dass nun alle Hunde, die schwierig im Training sind, auf diese Erkrankung hin untersucht werden, denn statistisch gesehen, kommt sie relativ selten vor und betrifft nur Einzelfälle. Dennoch ist es wichtig, von Morbus Addison schon einmal gehört zu haben, denn es kann unter Umständen zu einer Addison-Krise kommen, bei der schnelles handeln erforderlich ist, doch dazu später mehr.

Was ist denn nun eigentlich dieser Morbus Addison?

Starten wir zunächst einmal der der Erklärung der Begrifflichkeiten:

Der Begriff „Morbus“ kommt aus dem lateinischen und bedeutet „Krankheit“. Thomas Addison war Mediziner und der Erstbeschreiber dieses Krankheitsbildes beim Menschen, daher wurde die Erkrankung nach ihm benannt. Morbus Addison heißt also erst einmal nur sowas wie: Die Krankheit die Thomas Addison entdeckt hat.

Thomas Addison, Erstbeschreiber der Krankheit

Es gibt noch einen weiteren Fachbegriff und zwar nennt sich der Morbus Addison auch Hypo-adreno-kortizismus. Hypo steht für „unter“ oder man könnte auch in diesem Fall passender sagen „niedrig“. Denn bei dieser Krankheit kommt es in der Folge dazu, dass die Glykokortikoide wie Kortisol, sowie die Mineralkortikoide wie Aldosteron, im Körper (genauer gesagt in der Nebenniere) zu wenig produziert werden. Das Wort „adreno“ bzw. „adrenal“ bedeutet „die Nebenniere betreffend“.

Was ist ein Morbus Addison

Von dieser Erkrankung sind vor allem Jungtiere betroffen, häufiger Hündinnen in einem durchschnittlichen Alter von 4 Jahren.

Genauso wie die Schilddrüse, über deren Steuerung durch einen Regelkreis ich bereits einen Artikel veröffentlicht habe, wird die Nebenniere ebenfalls über einen „Chef“ und eine „Sekretärin“ gesteuert. Der Einfachheit nach verwende ich die maskuline und feminine Form für den Chef und die Sekretärin, es könnte genauso gut eine Chefin und ein Sekretär sein.

Schauen wir uns diesen Regelkreis einmal genauer an:

Der Chef ist wieder der Hypothalamus der einen Botenstoff (CRH) an die Sekretärin (Hypophyse) sendet. Diese wiederum sendet einen Botenstoff an die Nebenniere. Dieser Botenstoff heißt abgekürzt ACTH.

Hypothalamus – CRH – Hypophyse – ACTH – Nebenniere – Botenstoffe

Um die Erkrankung und die Ursachen genauer verstehen zu können, müssen wir uns einmal den Aufbau der Nebenniere genauer anschauen. Diese besteht nämlich aus dem 1) Nebennierenmark und der 2) Nebennierenrinde.

Diese beiden Strukturen bilden jeweils unterschiedliche Botenstoffe.

Im Nebennierenmark werden Adrenalin und Noradrenalin gebildet.

Die Nebennierenrinde lässt sich noch einmal in 3 weitere Zonen einteilen, die jeweils unterschiedliche Botenstoffe produzieren (siehe Abbildungen).

Nun gibt es grob 3 Formen des Morbus Addison:

  1. Primar
  2. Sekundär
  3. Iatrogen (durch Medikamente erzeugt)

Bei der Primären Form werden die Zonen der NebennierenRINDE zerstört, sodass die Botenstoffe zunächst weniger und im weiteren Verlauf dann fast gar nicht mehr gebildet werden können.

Die Sekundäre Form beschreibt eine verminderte Produktion von ACTH, also dem Botenstoff der Sekretärin. Diese Form kommt deutlich seltener vor, führt in der Folge aber dann auch dazu, dass zu wenig Botenstoffe in der Nebennierenrinde gebildet werden, da ACTH nicht mehr wirkt.

Werden bestimmte Medikamente gegeben, die ähnlich wirken, wie das körpereigene Kortisol, dann kann der Regelkreis so durcheinander gebracht werden, dass aufgrund der hohen Menge des Medikaments, kein ACTH mehr gebildet wird.

Warum ist es denn jetzt so schlimm, wenn weniger Kortisol oder Aldosteron gebildet werden?

Kortisol hat im Körper ganz viele wichtige Aufgaben, daher sind die Symptome auch sehr vielfältig.

Zu den Aufgaben gehören beispielsweise:

  • Regulation des Wasser- und Elektrolythaushaltes
  • Stoffwechselregulation (Glucose, Proteine und Fette, Bindegewebe, Muskulatur, Knochen, Kalzium,…)
  • Herzkreislaufsystem
  • Blutbildung
  • Immunsystem
Aufgaben von Cortisol im Körper

Wirken die Botenstoffe der Nebennierenrinde also nicht mehr, kann es bei der latenten (also noch nicht so stark sichtbaren) Erkrankung zu folgenden Symptomen kommen:

  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Abmagerung
  • Gewichtsverlust (anfänglich nur in Stresssituationen)
  • Dehydration
  • Bradykardie (verlangsamter Herzschlag) bei zu niedrigem Kaliumspiegel
Latenter Morbus Addison

Wenn man einen Morbus Addison vermutet, was macht man dann?

Mithilfe eines Stimulationstests (ACTH Stimulationstest) kann man einen Morbus Addison diagnostizieren. Dem Hund wird dabei 2-mal Blut abgenommen. Einmal ohne dass man etwas verändert, um einen Vergleichswert zu erhalten und dann einmal nachdem ACTH gespritzt wurde. Dann wird in beiden Blutproben der Kortisolgehalt bestimmt und miteinander verglichen. Beim gesunden Hund steigt der Kortisolwert, da die Nebennierenrinde aufgrund des zugefügten ACTH Kortisol produziert. Bleibt der Wert zu niedrig ist dies ein eindeutiger Hinweis auf einen Morbus Addison. Wichtig ist, dass man diese Untersuchung morgens durchführt, damit man ein Aussagekräftiges Ergebnis erhält. Dies hängt mit den physiologischen Schwankungen von Botenstoffen im Körper zusammen und morgens ist der Kortisolwert am höchsten.

Es gibt noch weitere Untersuchungen, die in diesem Zusammenhang wichtig sind. Die Aufgabe eines Tierarztes ist, strukturiert vorzugehen und zunächst einmal die wahrscheinlichsten Erkrankungen auszuschließen und bei Bedarf Stück für Stück zusätzliche Untersuchungen einzuleiten.

Was kann dann helfen?

Wichtig ist, die Symptome zu behandeln und dazu gehört vor allem, den Elektrolythaushalt wieder in den Griff zu bekommen, dies kann über eine Infusion erfolgen. Außerdem kann man die fehlende Bildung der Kortikosteroide durch eine Ersatztherapie (Medikamente) ergänzen.

Nun haben wir noch einen wichtigen Aspekt außer Acht gelassen und zwar das Aldosteron. Dieses hat im Körper eine wichtige Aufgabe bei der Regulation von Natrium und Kalium.

Zu beobachten ist, dass erst bei Fortschreiten der Erkrankung der Mangel an Aldosteron zu gravierenden Störungen im Körper führt, dann aber plötzlich lebensbedrohlich für den Hund sein kann. Diesen Zustand nennt man auch Addison-Krise. Hier ist dann eine schnelle Therapie notwendig, denn es kann in der Folge zum Schock und zum Kreislaufzusammenbruch kommen.

Hierbei ist es ganz wichtig, das Verhältnis von Natrium und Kalium mithilfe des Blutbildes im Auge zu behalten.

Akute Addison Krise

Was kannst du konkret aus diesem Artikel für dich mitnehmen?

Wenn dein Hund, insbesondere deine Hündin, sich im jungen Alter befindet, straken Durchfall und Erbrechen zeigt, abmagert und dehydriert, dann sollte dein Tierarzt/Tierärztin unter anderem unbedingt auch an das Krankheitsbild eines Morbus Addison denken und diese Erkrankung ausschließen.

Zu beachten ist, dass für Durchfall und Erbrechen noch einige andere Ursachen infrage kommen, angefangen bei Wurmbefall oder Giardien, Erkrankungen des Pankreas, Viruserkrankungen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und und und. Daher ist es wichtig Symptome ernst zu nehmen und frühzeitig einen Experten/Expertin aufzusuchen.

Quelle: „Praxis der endokrinologischen Krankheitsbilder bei hund und Katze“, Hämmerling, Parey

Tierärztin, Autorin und deine Hundeexpertin: Valérie Pöter

Über mich

Valérie Pöter hat 2017 ihr Staatsexamen als Tierärztin abgelegt und ist seit 2018 als Hundetrainerin tätig.

In ihrer Hundeschule in Oldenburg legt sie großen Wert auf Spaß und Motivation im Training und auf die verständliche Erklärung komplexer Zusammenhänge.

Diese Fähigkeiten brachten sie zusammen mit ihrer Leidenschaft fürs Zeichnen dazu, Fachwissen rund um den Hund auf ihrem Blog strukturiert und kreativ zu vermitteln – die Idee zu den FAQ Hund war geboren!

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