„Die klären das unter sich“ – Fraktion

Hundetraining

Manchmal würde ich mir wünschen, dass Hundeverhalten mithilfe einer Brille in einen Zeichentrickfilm umgewandelt werden könnte. Warum? Weil wir dann endlich das Verhalten unserer Hunde besser verstehen würden und auf eine lockere und lustige Art und Weise lernen, unsere Hunde richtig einzuschätzen. Denn nicht alle Hunde sind dankbar, lieb und von Haus aus loyal und friedlich. Unter unseren Haushunden, beziehungsweise unseren vierbeinigen Familienmitgliedern, gibt es durch aus eine Vielzahl von Rabauken, Rüpeln und Rotzlöffeln.

Warum die Körpersprache so wichtig ist:

Nun habe ich mich schon viele Jahre intensiv mit der Körpersprache unserer Hunde beschäftigt und kann die Begegnung zweier Hunde ziemlich schnell einschätzen. Spreche ich mit Menschen, die mit Hunden in ihrem Alltag gar nichts zu tun haben, weil sie nie einen Hund hatten, merke ich, wie groß die Unterschiede sind und wie wenig Körpersprache uns Menschen eigentlich bewusst ist, wenn wir uns nicht intensiv damit befassen. Eines der größten Missverständnisse ist die Einschätzung, ob zwei Hunde miteinander spielen oder nicht. Und wenn es kein Spiel ist, was die Hunde dann miteinander treiben.

Was machen die Hunde also im Freilauf?

Das erschreckende dabei ist, dass Hunde, die gemeinsam im Freilauf sind, viel seltener miteinander spielen, als wir Menschen denken. Denn tatsächlich gibt es unter Hunden auch eine Art Mobbing, insbesondere wenn drei oder mehr Hunde an der Situation beteiligt sind. Es gibt freche Verhaltensweisen, vergleichbar damit, dass einem jemand gegen das Schienbein tritt oder einem einfach aus dem Nichts eine Kopfnuss verpasst. Auch schubsen oder in Hundesprache ausgedrücktes Rempeln sieht man ziemlich oft und nicht selten kommt es sogar zu einer Prügelei, mit Knurren und dem Einsatz von Zähnen. Mit am häufigsten sehe ich einschüchterndes Verhalten. Da kommen sich zwei Hunde im Freilauf auf dem Spazierweg entgegen und der eine Hund holt schon mal seinen Baseballschläger und das Klappmesser raus, während der andere am liebsten im Boden versinken oder sich in Luft auflösen würde. Aber all das geht an so vielen Hundemenschen vorbei. All das wird so selten von Menschen wahrgenommen. Die Hunde setzen sich irgendwie miteinander auseinander, manche kommen besser zurecht, andere kommen immer mit einem blauen Auge davon. Viele Hunde haben eine Strategie entwickelt, sich die anderen Hunde vom Hals zu halten, indem sie beispielsweise selbst den Baseballschläger zücken und mithilfe körperlichem Drohverhaltens alle anderen bestmöglich von sich fern zu halten.

Nicht alle Hundemenschen sind einsichtig

Leider sind nicht alle Menschen einsichtig oder bereit, sich selbst und die Situation zu reflektieren, um dazu zu lernen. Andere sind sehr erstaunt, wenn ihnen plötzlich bewusst wird, dass der eigene Hund tatsächlich mit einem Baseballschläger rumläuft und versucht alles unter Kontrolle zu bringen. Dabei zeigt sich auch, dass viele Hunde, auch die Rabauken, Rüpel und Rotzlöffel, an sich mit der Situation überfordert sind, sehr gestresst sind und es ihnen viel besser gehen würde, wenn wir Menschen die Situationen für sie regeln würden. Vereinzelt gibt es aber auch Hunde, denen macht es einfach Spaß andere Hunde anzupöbeln und zu verprügeln, kennt man von Menschen ja leider auch, also ich zumindest.

Was können wir in der Erziehung unserer Hunde zu einem netten Miteinander beitragen?

Schon in den Welpengruppen ist es wichtig, im Freilauf darauf zu achten, dass kein Welpe in die Ecke gedrängt wird oder grobes Verhalten und Bodychecks über sich ergehen lassen muss. Ganz entscheidend ist dabei, dass die HundehalterInnen lernen, das Verhalten der Welpen richtig einzuschätzen und Erziehungsarbeit leisten. Ein Welpe der anfängt in andere Welpen reinzubrettern, ohne abzubremsen, in die Ohren beißt, oder andere Welpen auf den Rücken dreht und diese nicht wieder aufstehen lässt, muss unbedingt lernen, dass er das nicht darf, indem die Menschen einschreiten.

Auch bei erwachsenen Hunden, die sich auf dem Spaziergang beim entgegenkommen begegnen oder auf der Freilauffläche gemeinsam laufen, ist es enorm wichtig, dass die dazugehörigen Menschen die Körpersprache lesen können und die Hunde die Grundsignale, wie den Rückruf sehr gut beherrschen, damit ein Eingreifen überhaupt möglich ist. Denn im Unterschied zu Welpen sind bereits Junghunde aufgrund ihres Körpergewichts schon sehr viel schwieriger zu managen. Nicht zu vergessen ist auch, dass Hunde lernen müssen mit Frustration umzugehen und den Frust nicht gleich gegen den nächsten Hund zu richten und zu körperlich mit diesem zu werden. Viele erwachsene Hunde, die sich frei bewegen zu dürfen als eine Art Ressource verstehen, über die nicht jeder Hund aus ihrer Sicht frei verfügen darf, halten es schwer aus, wenn sich andere Hunde in ihrer Gegenwart unkontrolliert bewegen. Wenn der Mensch die entstehende Frustration dann nicht im Auge behält und diesen Hund erzieht, wird er die Situation für sich selber regeln. Dies kann dann in einer körperlichen Maßregelung enden und einen ernsten Konflikt zwischen den beiden Hunden zur Folge haben.

Fazit

Es gibt also viele alternative Verhaltensweisen zum Spielen miteinander und viele Konflikte werden unter Hunden ausgetragen, ohne dass die Menschen diese Konflikte erkennen. Daher ist es sehr wichtig, sich selbst im Verstehen der Körpersprache zu verbessern und den eigenen Hund so gut zu trainieren und zu erziehen, sodass ein Management auch im Kontakt und Spiel mit anderen Hunden möglich wird.

Mir ist es sehr wichtig, dich für das Verhalten deines Hundes zu sensibilisieren und dich darin zu bestärken, wenn du dich mal wieder auf dem Spaziergang vor anderen Hundehaltern oder Hundehalterinnen rechtfertigen musst oder dich zumindest mit der „Der will nur spielen“ und „die regeln das unter sich“ Fraktion auseinandersetzen musst. Kopf hoch,  es gibt auch Hundemenschen, die so denken wie du und ich.

In meinem Buch FAQ Hund – Das Antwortenbuch, findest du übrigens auch ein Kapitel über das kleine 1 x 1 der Körpersprache beim Hund. Die Zeichnungen helfen dir dabei, die Körpersprache besser und schneller zu erkennen.

Tierärztin, Autorin und deine Hundeexpertin: Valérie Pöter

Über mich

Valérie Pöter hat 2017 ihr Staatsexamen als Tierärztin abgelegt und ist seit 2018 als Hundetrainerin tätig.

In ihrer Hundeschule in Oldenburg legt sie großen Wert auf Spaß und Motivation im Training und auf die verständliche Erklärung komplexer Zusammenhänge.

Diese Fähigkeiten brachten sie zusammen mit ihrer Leidenschaft fürs Zeichnen dazu, Fachwissen rund um den Hund auf ihrem Blog strukturiert und kreativ zu vermitteln – die Idee zu den FAQ Hund war geboren!

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