Von Frust zu Erfolg: Meistere die 3 wirklichen Herausforderungen im Hundetraining

Verhaltensprobleme

Hi, ich bin Valérie, Tierärztin, Autorin und deine Hundeexpertin.

Ich helfe dir, kompliziertes Fachwissen rund um die Gesundheit und das Training kinderleicht zu verstehen und umzusetzen. Somit schaffst du alle Voraussetzungen, damit dein Hund als entspannter Alltagsbegleiter gesund bleibt und ein hohes Alter erreicht.

In meiner ersten Folge meines Podcasts geht es um das Thema Frust im Hundetraining.

Du erfährst, warum Frust im Training mit Hunden unvermeidlich ist, welche Profi Strategien du nutzen kannst, und wie du dein Training möglichst effizient gestaltest.

Die Realität des Hundetrainings: Warum Frust unvermeidlich ist

Um im Hundetraining erfolgreich zu sein und die eigenen Träume und Wünsche in die Realität umzusetzen, spielt die Kommunikation eine entscheidende Rolle. Und zwar nicht nur zwischen dir und deinem Hund, sondern auch zwischen dir und deinem Trainer. 

Damit das klappt, ist es wichtig, dass wir unter den Begriffen im Training möglichst dasselbe verstehen.

Fangen wir mit dem Begriff „Frust“ an. Sicherlich kennst du das Gefühl frustriert zu sein, aus verschiedenen Situationen. Doch für mich stellt sich die Frage, was ist damit eigentlich genau gemeint?

Laut Wikipedia ist damit das Gefühl der Enttäuschung gemeint, wenn es zu Misserfolg kommt. Kurz gesagt: Wenn du deine Ziele und Wünsche nicht erreichst.

Gegenteilige Wörter sind Erfolg, gesetzte Ziele zu erreichen und Motivation.

Jede Person, die sich ein Ziel setzt, wird früher oder später mit dem Gefühl der Frustration konfrontiert. Das liegt ganz einfach daran, dass der Weg zum Ziel nicht linear, also geradlinig ist. Der Weg zum Ziel sieht eher so aus:

Vergrößerst du den Ausschnitt in einen ganz kleinen Bereich hinein, sieht es so aus, als würde es bergab gehen:

Strategien für einen ruhigen Kopf: Umgang mit Frustration im Training

Wenn du jedoch die gesamte Grafik, also einen längeren Zeitraum betrachtest, kannst du erkennen, dass es insgesamt bergauf geht. 

Es gibt einen schönen Spruch, der mich an Tagen, an denen es nicht so gut läuft und alles negativ erscheint, motiviert weiter zu machen: „Wenn es schwer geht, dann geht’s bergauf.“

Oftmals werden Frustration und Selbstzweifel im Training auch durch fremde Personen ausgelöst. Du kannst dich sicherlich eine Situation auf einem Spaziergang mit deinem Hund erinnern. Ich könnte eine lange Liste mit Sprüchen erstellen, die Kunden im Training mit mir geteilt haben. Sowas wie:

  • „Eine Hundeschule wäre auch nicht schlecht!“
  • „Wie wär’s mal mit einem Maulkorb!“
  • „Kleine Hunde müssen wohl nicht erzogen werden!“

Das erhöht dann nochmal den Druck im Training. Aber wie du siehst, bist du damit nicht allein. Wichtig ist, dass du solche Situationen nicht persönlich nimmst.

Nun teile ich ein kurzes Erlebnis mit dir, dass dir verdeutlichen soll, dass es wirklich jedem so geht, mit oder ohne Hund.  Das Training und deine Trainingserfolge spielen dabei aus meiner Sicht gar keine Rolle. Unfreundliche Begegnungen mit anderen Menschen lassen sich manchmal gar nicht vermeiden.

Ich laufe mit einer Freundin im Regen einen schmalen Spazierweg entlang, wir haben keinen Hund dabei, aber Regenschirme. Von hinten hören wir eine Joggerin, der wir Platz machen, damit sie an unseren Regenschirmen vorbeilaufen kann. Sie trägt Kopfhörer und ihr folgt ein Labrador. Der Labrador hält rechts am Wegrand an und macht ein Häufchen. Die Joggerin bleibt stehen und entfernt den Haufen. Wir überholen sie und sind in ein Gespräch über Restaurants in Luxemburg vertieft. Plötzlich dreht sich die Joggerin zu uns um und ruft laut und unfreundlich: „Was iiist???“. Wir schauen nur verdutzt. Sie scheint sich angegriffen gefühlt zu haben, doch es gab von unserer Seite wirklich keinen Grund.

Ein Aktionsplan ist der Schlüssel: die Bedeutung kleiner Schritte und klarer Ziele im Hundetraining

Wenn du im Training an einen Punkt gelangt bist, an dem sich Frustration breit macht und du den Eindruck hast, dass es keinen Fortschritt gibt, dann solltest du nochmal Hilfe von außen in Anspruch nehmen.

Es braucht die richtigen Strategien im Training. Oftmals gibt es ja nicht nur ein einziges Thema im Hundetraining, das gerade nicht funktioniert. Gerade bei der Ausbildung von jungen Hunden, ist die Anzahl an Trainingsaufgaben überwältigend.

Hier ist es wichtig, den Fokus richtig zu setzen, um dich und deinen Hund nicht zu überfordern. Ein hilfreicher Tipp ist die Erstellung eines Aktionsplans. Dieser kommt aus dem Projektmanagement und es geht dabei darum, ein großes Ziel in kleine Teilschritte zu zerlegen. Dabei werden die einzelnen Schritte in konkrete Aufgaben umgewandelt.

Wie das genau aussieht, zeige ich dir gleich in einem Praxisbeispiel.

Trainieren wie die Profis: erfolgreiche Strategien für effektives Hundetraining

Du hast ja sicherlich schon die Hilfe des einen oder anderen Hundeprofis in Anspruch genommen und bist jetzt trotzdem frustriert. Daher möchte ich dir nun eine wichtige Strategie erklären, von der du sicherlich schon gehört hast, die du bisher aber noch nicht wirklich umgesetzt hast. Diese ist aber für den Trainingserfolg sehr entscheidend: die Reizhierarchie.

Erinnere dich einmal an deine Zeit in der Fahrschule für den Autoführerschein. Während du sicherlich im verkehrsberuhigten Bereich oder einer ruhigen Straße das Anfahren geübt hast, bist du heute in der Lage, Autobahn am Kölner Ring zu fahren. Oder in der Innenstadt im stressigen Berufsverkehr.

Im Hundetraining sehe ich oftmals genau dasselbe Phänomen. Nehmen wir das Beispiel, dein Hund pöbelt an der Leine. Dann gibt es sicherlich Situationen, in denen die Leinenführigkeit sehr gut klappt und dein Hund locker neben dir läuft.

Dann wiederum gibt es aber Situationen, in denen dein Hund vollkommen eskaliert. Der Grund dafür ist die Stärke des Reizes, beziehungsweise der zu hohe Schwierigkeitsgrad. Die Situationen, in denen dein Hund eskaliert, sind also mit den Autofahrten auf dem Kölner Ring mit 6 Spuren und hohem Verkehrsaufkommen vergleichbar.

Deshalb lohnt es sich eine Reizhierarchie aufzustellen

Damit du aber auf dem Kölner Ring (einigermaßen gelassen 🙂 ) Autofahren gelernt hast, gab es die 30er-Zone, die 50er-Zone, die 100er-Zone, die erste Autobahnfahrt, bei Regen, im Dunkeln, bei Glätte, usw.

Die Aufgabe im Hundetraining besteht also darin, diese Zonen genau zu definieren, und dann ganz bewusst zu üben. Hierzu stellen wir im Training eine Reizhierarchie auf. Das ist eine Art Pyramide. Ganz unten stehen die Aufgaben, die sich leichter trainieren lassen und ganz oben, das eigentliche Ziel.

Voraussetzung ist jedoch folgendes: Dein Hund muss das Verhalten, dass er in der schwierigen Situation zeigen soll, im „verkehrsberuhigten Bereich“ wirklich beherrschen. Das Anfahren auf der Autobahn zu üben, würde dich ja auch überfordern.

Wenn es also darum geht, mit lockerer Leine an anderen Hunden vorbeizugehen, dann muss die Leinenführigkeit in einer entspannten Umgebung zunächst trainiert werden. Auch hierbei bedarf es einer genauen Strategie. Stehenbleiben, bis der Hund sich irgendwann wieder zu mir umdreht, oder Richtungswechsel sind aus meiner Sicht keine nützlichen Strategien. Dein Hund muss stattdessen ganz genau lernen, was er tun soll und du brauchst eine genaue Strategie, was zu tun es, wenn er dich überholt und vorläuft.

Kleiner Spoiler: Korrekturen, mit Wasserflaschen und körperlicher Gewalt, lehne ich ausdrücklich ab. Es geht stattdessen darum, dem Hund ein Verhalten beizubringen, ein Signal aufzubauen und dieses dann in immer schwierigeren Situationen abzufragen und zu trainieren.

Damit du nicht den Fokus verlierst, legst du am besten einen Aktionsplan an. Dieser umfasst einen Monat. Du legst für jede Wochen ein Zwischenziel fest, z. B. Woche 3: „Signal Fuß im Wohnzimmer 5 Minuten lang mit Ablenkung von Leckerchen trainieren“. Außerdem legst du ein Monatsziel fest: „5 Minuten ‚Fuß‘ im Garten“. Diesen Aktionsplan legst du jeden Monat neu an.

Fazit: Worum es wirklich geht! Deine nächsten 3 Schritte.

  1. Erster Schritt: Das Leinenführigkeit-Training strukturiert und mit einem gewaltfreien Konzept trainieren, bis der Hund in entspannten Situationen wirklich an lockerer Leine laufen kann.
  2. Zweiter Schritt: Eine individuelle Reizhierarchie für deinen Hund und dein Trainingsziel aufstellen, mit konkreten einzelnen Aufgaben und Trainingssituationen.
  3. Dritter Schritt: Die Reizhierarchie mithilfe des Aktionsplans in die Tat umsetzen. 

Ausblick: Jetzt weißt du, worauf es im Training wirklich ankommt und was dir bisher gefehlt hat, um deine Trainingsziele zu erreichen.

Natürlich sind die Tipps noch nicht konkret genug und noch nicht individuell genug auf dich und deinen Hund abgestimmt. Wenn du dich noch näher damit beschäftigen möchtest, lade ich dich ein, dir mein Video zum Thema: Frust im Hundetraining anzuschauen. Hier zeige ich dir anhand eines konkreten Praxisbeispiels, wie man das Training wirklich umsetzt. Das Video steht nicht öffentlich jedem zur Verfügung, sondern ist an die Personen gerichtet, die wirklich ein Interesse an der Umsetzung des Trainings haben. Um es dir anzuschauen, kannst du dich zu meinem Newsletter anmelden. In diesem Newsletter teile ich regelmäßig meine Gedanken zu verschiedenen Themen im Hundetraining und der Gesunderhaltung von Hunden und informiere dich über aktuelle Kurse und Seminare. Den Link zum Video erhältst du dann in deinem ersten Newsletter.

Ich freue mich darauf, dich und deinen Hund im Training unterstützen zu dürfen und wünsche dir eine schöne Woche.

Deine Valérie

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Tierärztin, Autorin und deine Hundeexpertin: Valérie Pöter

Über mich

Valérie Pöter hat 2017 ihr Staatsexamen als Tierärztin abgelegt und ist seit 2018 als Hundetrainerin tätig.

In ihrer Hundeschule in Oldenburg legt sie großen Wert auf Spaß und Motivation im Training und auf die verständliche Erklärung komplexer Zusammenhänge.

Diese Fähigkeiten brachten sie zusammen mit ihrer Leidenschaft fürs Zeichnen dazu, Fachwissen rund um den Hund auf ihrem Blog strukturiert und kreativ zu vermitteln – die Idee zu den FAQ Hund war geboren!

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